Phänomen Trennkost enträtselt
Gewichtsreduzierender Effekt wissenschaftlich belegt
Buchneuheit

von Hans Euler

Dr. Martin Noelke aus Homberg/Ohm beschreibt in seinem Buch „Abnehmen durch Trennkost – ein ärztlicher Ratgeber“ den gewichtsreduzierenden Effekt der Trennkost, der erstmals wissenschaftlich nachvollziehbar ist. Das Phänomen Trennkost ist enträtselt. Die bislang oft umstrittene Ernährungsform, der jedoch Hunderttausende von begeisterten Anhängern eine bessere Befindlichkeit, mehr Gesundheit und insbesondere eine bessere Figur verdanken, hat ihre spezifische Wirkung hinsichtlich der Rückbildung des Fettgewebes über das Zusammenspiel von Blutzucker- und Insulinstoffwechsel.

Die Trennkost wurde erstmals vom britischen Militärarzt Dr. Mc Carrison beschrieben, der diese Ernährungsform bei den Hunzas, einem Naturvolk im Karakorum-Gebirge vorfand. Dieses Volk schien frei von Zivilisationskrankheiten zu sein. Die Beobachtungen von Dr. Mc Carrison wurden von dem amerikanischen Arzt Dr. Howard Hay weiter präzisiert. Der Homberger Arzt Dr. Ludwig Walb schließlich begründete zusammen mit seiner Ehefrau 1957 die Trennkost-Bewegung in Deutschland und Europa, indem er die Überlegungen von Dr. Howard Hay weiterentwickelte. Die Trennkost wurde aufgrund ihres gewichtsreduzierenden Effektes bald zu einer beliebten Ernährungsform. Auf Frau Walb geht der Begriff „Trenn=Kost“ zurück. Von Dr. Hay wurde die Wirkungsweise der Trennkost mit einer heute nicht mehr nachvollziehbaren Interpretation des Säure-Basen-Haushaltes im Stoffwechsel erklärt. Dieses Erklärungsmodell hat viele Kritiker auf den Plan gebracht, auch unnötigerweise für viel Unverständnis bei der Leserschaft gesorgt.

Der Schwiegersohn von Dr. Walb und Buchautor Dr. Martin Noelke hat Anfang 1998 den gewichtsreduzierenden Effekt nach einer Vielzahl eigener Versuche und umfangreichen laborchemischen Analysen erstmals beschrieben. Er zeigt, daß es möglich ist, durch Kombination und Auswahl bestimmter Nahrungsmittel die Höhe des Blutzuckers und des Insulinspiegels so zu beeinflussen, daß das Sättigungsgefühl gedämpft wird, gleichzeitig aber auch Fettgewebe abgebaut werden kann . Dieser Fettgewebsabbau wird durch niedrige Insulinspiegel nachhaltig gefördert, die nach sogenannten Eiweißmahlzeiten bei der Trennkost regelmäßig nachweisbar sind. Nach Kohlenhydratmahlzeiten sind Insulinspiegelerhöhungen naturgemäß zu erwarten. Dieser Problematik wird jedoch durch geschickte Auswahl der Kohlenhydrate und Begrenzung des Fettverzehrs nach den einfachen Regeln der „Modifizierten Trennkost“ wirkungsvoll begegnet, ohne das Sättigungsgefühl zu stören.

Die klassische Trennkost wurde vom Autor zu einem schlüssigen, überaus leicht zu handhabenden Konzept zur langfristigen Gewichtsreduktion weiterentwickelt. Diese „Modifizierte Trennkost“ unterscheidet sich grundlegend von den ungezählten Crash-Diäten, die aufgrund des Jo-Jo-Effektes in der Regel nur kurzfristige Erfolge aufweisen . Erklärtes Ziel ist eine langfristige und schonende Gewichtsreduktion ohne Jo-Jo-Effekt.

Das Prinzip der Trennkost wird mit wenigen Sätzen, einer einfachen Tabelle und zwei Beispielen in wenigen Minuten dem Leser erklärt. Diese Vereinfachung ist möglich, da der Autor das herkömmliche Regelwerk der klassischen Trennkost weitgehend beiseiteschiebt. Dennoch bleibt das Grundprinzip der Trennkost, daß Kohlenhydrate und Proteine in einer Mahlzeit nicht gemeinsam verzehrt werden sollen, erhalten. Das Verhalten von Blutzucker- und Insulinstoffwechsel nach definierten Trennkost-Mahlzeiten, die Erkenntnisse aus den Laborversuchen und die daraus abgeleiteten, einfach anzuwendenden Ernährungsregeln versprechen eine gesunde Basis für ein neues Ernährungskonzept, die „Modifizierte Trennkost“.

Für Therapiekonzepte zur Behandlung von Übergewicht und Adipositas werden heute klinische Sicherheit, bevorzugter Abbau von Körperfett, Schonung des Körperproteins, eine umfassende, ausgewogene Nährstoffversorgung und insbesondere Erhaltung des Eßgenusses gefordert, um die wichtigsten Punkte zu nennen. Die Erfahrungen mit dieser neuen Therapieform in der täglichen Praxis sind ausgezeichnet, da das Ernährungkonzept sehr einfach vom Patienten umzusetzen ist. So liegt die tägliche Gewichtsabnahme bei ca. 80 g (Frauen) und ca. 110 g (Männer). Es handelt sich eben um keine Crash-Diät, sondern um ein schonendes Therapiekonzept, welches auf das Zählen von Kalorien gänzlich verzichtet und den Jo-Jo-Effekt außer Kraft setzt.

Es ist unverkennbar, daß dieses Buch aus der täglichen Praxis stammt . Aufgrund des neuen Verständnisses der Trennkost unterscheidet es sich grundlegend von allen bisher erschienenen Trennkost-Büchern. Erfreullich ist auch das didaktische Konzept mit einer klaren Gliederung, welches zunächst die Entstehung von Übergewicht, die Problematik von Crash-Diäten und den Jo-Jo-Effekt auf leicht verständliche Art und Weise dem Leser erklärt. Die meist eher lückenhaften Kenntnisse der Leserschaft über Ernährung finden in einem weiteren Kapitel ihre nötigen Ergänzungen. Es geht im folgenden nicht nur um die Trennkost und ihre Wirkungsweise, sondern auch um die sattsam bekannte Tatsache, daß Abnehmen im Kopf beginnt. Hier beweist der Autor echtes Motivationstalent, wenn es um Wunschgewicht und Körpermasse geht. Kritische Anmerkungen zum alltäglichen Schlankheitswahn auf dem Laufsteg machen unmißverständlich klar, daß es nicht nur um eine andere Figur, sondern um prophylaktische Medizin, gepaart mit mehr Wohlbefinden und Gesundheit geht. Viele Fragen, die um diesen Themenkomplex kreisen, werden kompetent und praxisnah beantwortet. Aber auch andere wissenschaftliche Veröffentlichungen, meist neuesten Datums, fließen in dieses Konzept mit ein.

Der Schreiber dieser Zeilen hat selbst nach zahllosen, vergeblichen Diäten in diesem Buch seinen Ratgeber gefunden. Zwölf leicht verlorene Kilos und ein neues Körpergefühl sprechen für sich. So bleibt zu hoffen, daß sich die „Modifizierte Trennkost“ als neuer Begriff in der deutschen Diätethik etabliert.