Trennkost – Gesundheit - Wellness

Gewichtsreduktion durch Trennkost wissenschaftlich belegt
Von Dr. med. Martin Noelke

So bekannt der Begriff der Trennkost ist, so rätselhaft war bislang ihre Wirkungsweise. Als Erstbeschreiber gilt der amerikanische Arzt Dr. Howard Hay, der die Effekte dieser Ernährungsform auf die Gesundheit mit einer Stabilisierung des Säure-Basen-Haushaltes erklärte. Seine Erklärungen wurden von meinem Schwiegervater, dem Arzt Dr. med. L. Walb übernommen, Begründer der Trennkostbewegung in Deutschland und Europa. Auf Frau Walb geht der Begriff „Trennkost“ zurück. Heute stellen über eine Million Menschen in der BRD ihre Mahlzeiten nach den Regeln der Trennkost zusammen, um in erster Linie Gewicht zu verlieren. Dies ist Grund genug, die Trennkost modern zu interpretieren, da die Säure-Basen-Theorie, mit der bislang die Wirkungsweise der Trennkost erklärt wurde, zu Recht viele Kritiker auf den Plan gebracht hat.

Bei den Überlegungen stand der gewichtsreduzierende Effekt im Mittelpunkt. Von der Hay’schen Lehre wurden die beiden wichtigsten Forderungen an eine gesunde Ernährung übernommen:

1. Die Nahrung soll weitgehend naturbelassen sein!

2. Überwiegend kohlenhydrathaltige und überwiegend eiweißhaltige Nahrungsmittel dürfen nicht gleichzeitig während einer Mahlzeit verzehrt werden!

Mit der ersten Forderung wird niemand, der eine Gewichtsreduktion anstrebt, ein Problem haben. Hier ist in erster Linie der Verzicht auf Zucker, weißes Brot, geschälten Reis und Konservennahrung gemeint, stattdessen wird dunkles Brot, Naturreis, mehr Gemüse, Salat und etwas Rohkost gefordert. Diese Nahrungsmittel bewirken im Gegensatz zu industriell „verfeinerten“ Nahrungsmitteln (z.B. Vollkornbrot anstelle von Weißbrot, Fruchtzucker im Obst anstelle von Haushaltszucker) einen deutlich geringeren Blutzuckeranstieg und somit auch eine wesentlich geringere Insulinsekretion, was bekanntermaßen die Fettgewebsneubildung reduziert und das Sättigungsgefühl verlängert. Entsprechend der modernen wissenschaftlichen Sichtweise sind also Kohlenhydrate mit einem niedrigen glykämischen Index zu bevorzugen. Es wird oft vergessen, dass Insulin nicht nur den Blutzucker senkt, sondern dass Insulin die Schlüsselsubstanz für die Fettgewebsneubildung darstellt. Heute ist wissenschaftlich belegt, dass niedrige Insulinspiegel wünschenswert sind, da viele Erkrankungen, die mit Übergewicht verbunden sind, häufig mit hohen Insulinspiegeln einhergehen. Niedrige Insulinspiegel jedoch begünstigen die Lipolyse (Auflösung des Fettgewebes).

Mit diesem Ansatz kann man sich der zweiten Forderung, der sogenannten Trennregel zuwenden. Hierzu wird zunächst in wenigen Sätzen das Prinzip der Trennkost dargelegt:


Während einer Mahlzeit dürfen also überwiegend kohlenhydrathaltige und überwiegend eiweißhaltige Nahrungsmittel nicht zusammen gegessen werden. Stattdessen ist ihre Kombination mit den sogenannten neutralen Nahrungsmitteln möglich. Obst wird u.a. aus Gründen der besseren Verträglichkeit als Zwischenmahlzeit verzehrt.

Für den Fettstoffwechsel eines Diätwilligen bedeutet dies folgendes: Sogenannte Eiweißmahlzeiten im Sinne der Trennkost (z. B. ein Fischfilet mit Gemüse und Salat) bewirken nur einen minimalen Anstieg des Blutzuckers und somit eine kaum nennenswerte Insulinsekretion, was laborchemisch objektiv nachgewiesen werden konnte. Daraus folgt, dass eine Fettgewebsneubildung durch den Insulinmangel nicht eintreten kann, da Insulin als Schlüsselsubstanz für die Fettgewebsneubildung nicht in ausreichender Menge verfügbar ist. Wird jedoch gegen die Trennregel verstoßen und eine solche Mahlzeit mit Kohlenhydraten wie z.B. Reis kombiniert, kommt es zu einer deutlichen Insulinsekretion mit der Folge einer Fettgewebsneubildung und somit zur Gewichtszunahme.

Bei den sogenannten Kohlenhydrat-Mahlzeiten (es handelt sich im Grunde um vegetarische Gerichte wie z.B. Kartoffel-Gemüse-Gratin, Nudelpfanne) ist der Blutzuckeranstieg mit nachfolgender Insulinsekretion vorprogrammiert, da Kohlenhydrate bekanntermaßen einen deutlichen Blutzuckeranstieg und somit auch eine Insulinsekretion verursachen. Diese Kohlenhydrate, aber auch gleichzeitig aufgenommenes Fett, werden unter dem Einfluß des Insulins in Fettgewebe umgewandelt, da Insulin in ausreichender Menge jetzt zur Verfügung steht. Diese oft bis zu drei Stunden erhöhten Insulinspiegel lassen sich zwar nicht vermeiden, jedoch in ihrer Dauer deutlich verkürzen. Nach den Regeln meiner „Modifizierten Trennkost“ wird für die Dauer der Gewichtsreduktion alles sichtbare Fett bei den Kohlenhydrat-Mahlzeiten ganz deutlich reduziert. Die Folge ist nur eine sehr kurze, maximal eine Stunde andauernde Erhöhung des Insulinspiegels. Begründung: Freie Fettsäuren, z. B. aus zusätzlich aufgenommenen Nahrungsfett, behindern konzentrationsabhängig die Aufnahme und den Abbau des Insulins in der Leber. Bekanntermaßen wird deutlich mehr als ein Drittel des von der Bauchspeicheldrüse abgegebenen Insulins direkt in die Leber aufgenommen und abgebaut. Die freien Fettsäuren jedoch verhindern diesen Abbau, so dass der Insulinspiegel unnötig lange erhöht bleibt, wodurch wiederum die Neubildung von Fettgewebe begünstigt wird. Der Anteil der Kohlenhydrate bei diesen Gerichten sollte maximal 20% betragen. Ein geringer Anteil von hochwertigen Fetten ist aufgrund von lebensnotwendigen essentiellen Fettsäuren und fettlöslichen Vitaminen, auch aufgrund der Geschmacksverbesserung und Geschmacksverstärkung erforderlich. Auf beste Qualität wie hoher Gehalt an ungesättigten Fettsäuren und Omega-3-Fettsäuren ist zu achten.

Obst sollte neben Gemüse, Salat und Rohkost die Basis einer gesunden Ernährung bilden. Aufgrund des wechselnden, gelegentlich hohen Fruchtzuckeranteils führt der Verzehr von Obst in der Regel zu einem Blutzuckeranstieg und entsprechender Insulinausschüttung. Somit kann es die niedrigen Insulinspiegel bei Eiweißmahlzeiten unnötigerweise anheben. Obst sollte also als Zwischenmahlzeit gegessen werden.

Aufgrund dieser Erklärungen ist die schonende und langfristige Gewichtsreduktiondurch Trennkost zu verstehen. Ein täglicher Gewichtsverlust von 80g (bei Frauen) und 110g (bei Männern) ist realistisch und reproduzierbar.

Das Phänomen Trennkost ist somit enträtselt. Die klassische Trennkost wurde zu einem schlüssigen und überaus leicht zu handhabenden Konzept zur langfristigen Gewichtsreduktion weiterentwickelt. Diese „Modifizierte Trennkost“ unterscheidet sich wohltuend von den unzähligen Crash-Diäten, die aufgrund des Jo-Jo-Effektes in der Regel nur kurzfristige Erfolge aufweisen. Gegen den Jo-Jo-Effekt scheinen die Trennkostanhänger immun zu sein. Da das Ernährungskonzept sehr einfach vom Patienten umzusetzen ist, sind die Erfahrungen mit dieser neuen Therapieform in der täglichen Praxis ausgezeichnet.

Das Konzept ist so einfach, dass es sich auf die folgenden Hinweise reduzieren lässt:

Lassen Sie Zucker und Süßigkeiten weg! Ersetzen Sie Ihr Brot durch Vollkorn- oder Schrotbrot! Vegetarische Gerichte so fettarm wie möglich! Fleisch oder Fisch nur mit Gemüse und Salat! Obst als Zwischenmahlzeit! Sie können dieses Konzept durch kalorienfreie Getränke und ein zusätzliches Bewegungsprogramm ergänzen. Bewegen Sie sich, aber mit moderater Intensität und nach Möglichkeit nüchtern, wenn der Blutzucker niedrig ist und somit wiederum niedrige Insulinspiegel vorherrschen, wodurch die Lipolyse begünstigt wird.

An die Adresse meiner Kritiker: Meine Hypothesen wurden im wissenschaftlichen Experiment bewiesen, sind somit reproduzierbar. Zwischenzeitlich wurde eine klinische Studie von Dr. Wutzke, Universität Rostock, veröffentlicht. Diese Studie belegt nachdrücklich die Notwendigkeit des Trennprinzips bei der Gewichtsabnahme.